hin und her macht taschen leer…und „absichtlich absichtslos“…

 

moin zusammen,

wer kennt sie nicht, die o.a. börsenregel. permanenter und nervöser wechsel der anlagestrategie füllt in aller regel nicht das depot. gleiches gilt für den jagdlichen ansitz, wie auch für die naturfotografie. heute hier, morgen da und wieder zurück…der gewünschte erfolg bleibt oft aus. so habe ich für mich schon seit langem entschieden, das es immer lohnenswert ist, gleiche plätze zum beobachten und fotografieren wiederholt aufzusuchen. wie heisst es so treffend: „nicht das viele zählt, sondern das wesentliche“. wesentlich ist für mich in diesem sinne, das ich durch die „wiederholung“ mehr über das verhalten der tiere erfahre, und die locations mit ihren unterschiedlichen tageszeit- und witterungsbedingten veränderungen viel besser kennenlerne.

so war ich in den letzten 10 wochen 28 mal an den genau selben plätzen. (seeburger see und levinscher park in göttingen) mein stativ wechselte maximal 15 m nach rechts und links die richtung. ich war also vom  aufnahmestandort her eher statisch. und doch hatte ich fast jedesmal (anders als geplant resp. gewünscht) eine völlig „andere und neue Bühne“. bin ich morgens raus, um die tiere im vor-sonnenaufgangslicht zu haben, war nebel. war das gewünschte licht da, kamen keine tiere. mindestens 8 mal kamen zur exakt gleichen zeit die schwäne um die ecke. hatte ich mich auf sie eingerichtet, waren sie woanders… ihr wißt, was ich meine. die schöpfung ist bekanntlich sehr vielfältig und bringt uns nicht immer das „gewünschte“…oft dafür aber noch spannenderes…wenn wir es sehen und uns auf die neue situation einlassen können. im ZEN spricht man von der „absichtlichen absichtslosigkeit“; ich habe ein ziel und/oder einen wunsch, lege mich aber nicht auf deren erfüllung fest. ich bin offen für das, was kommt. in dieser inneren haltung dinge zu wiederholen kann erfüllende beobachtungen und ergebnisse bringen.

natürlich wechsel ich auch öfter die location und fahre in andere länder, um neue oder andere erfahrungen zu machen. vor ort gehe ich aber lieber in die tiefe. in diesem zusammenhang hat mich, ein kürzlich von mir gelesenes interwiew, sehr angesprochen und berührt. so schreibt der namhafte, an einen rollstuhl gebundene, fototgraf jan van der greef: „wenn ich an einer bestimmten stelle bin, dann bin ich durch den rollstuhl üblicherweise fest an diesen platz gebunden und kann nicht alle optionen in der umgebung wahrnehmen. das ist meiner meinung nach eine ausgezeichnete möglichkeit, sich in geduld zu üben und genau zu beobachten, was um mich herum passiert….“ dieses „geduldige beobachten“ und „warten was passiert“, das meine ich. denn passieren tut immer etwas. wenn wir geduldig „beobachten und wiederholen“, werden wir schnell merken, das die tiere auch „wiederholer“ sind. sie haben ihre rituale, abläufe und verhalten, die begrenzt auch berechenbar sind. mit diesem wissen kann man besser vorbereitet sein und auch techniken ausprobieren und verfeinern; ohne mit „gehetztem blick“ von location zu location zu eilen.

ich, für mich, bin beglückt und dankbar, was „vor meiner haustür“ so alles passiert und welch unterschiedliche aufnahmen und stimmungen ich einfangen konnte.

 

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