…erster Mai…erstes Ei…Birkhuhnbalz im Wolfsland

moin zusammen,

Soll das im Titel „Angekündigte“ zeitgerecht eingelöst werden, geht diesem Ereignis ein wichtiges, sich jährlich wiederholendes Gebaren voraus: die Birkhuhnbalz. Sie zu beobachten, war das Ziel meiner Reise. Theo Grüntjens lud mich mitten im niedersächsischen „Wolfsland“ zu seinen „Heilig-Plätzen“ ein. Er war in der Lüneburger Heide über 30 Jahre Förster mit dem „schönsten Arbeitsplatz Deutschlands“. In Polen bei den Wölfen lernten wir uns kennen. Was für ein Geschenk!

Doch der Reihe nach. Bevor das Ei im Gelege liegt ist die Brautsuche und -Werbung zu absolvieren. So kommen die Hirsche in die „Brunft“ und die Füchse in die „Ranzzeit“. Bei den Birkhühner ist das: die „Balz“. Und wie im „richtigen Leben“ geht es darum, die Auserwählte zu finden. Also wird das Hirn weitgehend ausgeschaltet (bei den „Kerlen“) und die Hormone übernehmen das Kommando. Die „Rosen“ und der „Spiegel“ (bei den Menschen gibt es dafür andere Namen… 🙂 ) leuchten weithin sichtbar (schaut alle her, hier bin ich) und es wird auf Teufel komm raus „gezischt“, „gefaucht“ und „gekullert“. So heißt das bei diesen Tieren. Die „ganz wilden“ vollziehen auch noch „Flattersprünge“.  Das Ziel ist klar: den „Mädels“ imponieren und den Mitbewerbern unmißverständlich signalisieren: „Hier bin ich der Chef. Mach dich aus, oder noch besser, von der Heide“, um sie so in die Flucht zu schlagen. Irgendwoher kennen wir das doch … 🙂

 

In Deutschland gibt es, (außerhalb der Alpen), ungefähr nur noch 200 – 220 Tiere dieser Art. Die Meisten davon im offenen oder moorigen Gelände der Heide. Die Balz selbst vollzieht sich dabei überwiegend an den gleichen Plätzen; beginnend Mitte Februar bis Ende April. Sind die Tiere normalerweise extrem scheu, kann man sie  beim Balzritual recht gut beobachten. (Erhöhte Hormonspiegel verändern offensichtlich die Gefahrenwahrnehmung).

Morgens sind wir um 04:30 raus, um spätestens bis 05:00 am Balzplatz das Versteck zu beziehen. Die Geräuschkulisse und die gezeigten Rituale sind wirklich beeindruckend. Auch hatten wir das Glück, das nach einer frostigen Nacht die Landschaft und das Gefieder der Hähne mit Reif bedeckt waren; einfach: „Großes Kino“.

Und wo man in „Theo`s Schatzkästchen“ die heimlichen Birkhühner trifft, sind naturgemäß die „Anderen“ auch nicht weit. Kraniche, Rot-und Rehwild, Feldhase, Rohr- und Wiesenweihe, Seeadler sowie diverse Kleinvögel wie Braun- Schwarzkehlen und der Nordische Raubwürger. Sie alle hatten wir vor der Linse. Dazu die herrliche Vegetation mit Heide, Ginster, Kiefer, Wacholder und Birken.

  

„Gevatter Wolf“ hat uns permanent signalisiert, das er ganz in der Nähe ist. Oft zeugten „nagelfrische Fährten“ von seiner Anwesenheit. Vermutlich hat er unser Tun aus sicherem Abstand beobachtet. Eine Stunde, nachdem wir das Revier verlassen hatten, schickte uns ein befreundeter Förster (Wolfs-Foto von ihm siehe unten), der zeitgleich mit uns draußen war, ein Foto mit Wolf im herrlichen Winterfell. Von einem Platz, an dem wir kurze Zeit vorher standen…

 

„ER“ war also da…

So ist das in der Natur…   🙂

Lieber Theo, Dir vielen herzlichen Dank für die erlebnisreiche gemeinsame Zeit.

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