…kurzer blick/weiter blick…

moin zusammen,

…mein fotofreund maik und ich fahren in seinem wagen flott über land oder zum fotoansitz. er: „schau mal dahinten der sprung rehe mit den zwei kitzen“ oder „da kommt gleich ein bock raus…“.  ich höre was er sagt, doch meine augen sehen: NICHTS!!!  aus höflichkeit  murmel ich so vor mich hin, um mir ja keine blöße zu geben: „ah ja, interessant“. weil das schon öfters passiert ist  bitte ich maik bei nächster gelegenheit anzuhalten, damit ich mit dem starken jagdglas seine beobachtung teilen kann. will ja schließlich auch rehlein sehen!!! und tatsächlich, da gaaaanz weit hinten stehen sie. ich brauche zum erkennen den stabilen stand mit glas; „ER“ macht das während des autofahrens aus dem augenwinkel. „verdammter mist, da läuft doch was gewaltig aus dem ruder!!! ich habe doch auch gute augen und meine ein geübter beobachter zu sein!!??

grübel, grübel…

natürlich hat der fast 30 jahre  jüngere maik bessere augen als ich (was unter „normalen umständen“ schon mal gar nicht sein kann… )  🙂  🙂

aber das ist es nicht!!! maik guckt nicht wesentlich BESSER. der entscheidende punkt ist:  er guckt völlig ANDERS als ich. maik ist förster, jäger und ein exzellenter schütze. die „wirkungsreichweite“ seiner waffe ist viel weiter als die meiner foto-optik. um jagdlich erfolgreich zu sein muss er natürlich noch viel weiter und vorausschauender beobachten. er hat vor allem andere sehgewohnheiten. er sucht die geländekanten, flächen und strukturen  in der WEITE nach ihm bekannten profilen ab. diese hat er über viele jahre draussen im busch abgespeichert/in seinem unterbewusstsein ab- und eingescannt. das ist das ANDERS im gegensatz zu mir.

meine linsen, selbst das 8ooer tele hat einen völlig anderen wirkungsbereich. kurzum: mein blick ist um ein vielfaches kürzer. schaut maik nach strukturen von wild in der ferne, suche ich in unmittelbarer nähe vor mir  nach dem „weissen im auge des tieres“. getreu dem motto, „was interessiert mich das dahinten“. wie dämlich!!! steht der hirsch auf 80 meter vor mir brauche ich keine landschaft mehr abscannen oder mit dem fernrohr „abglasen“. also übe ich mich ab sofort darin, meine sehgewohnheiten so zu ändern, dass ich die aufmerksamkeit  „so weit wie möglich nach vorne“ lenke, um anzeichen der tiere (silhouetten etc.) zu erkennen. das erhöht die erkennens-wahrscheinlickeit -allemal bei haarwild-  um ein vielfaches. ist das erkannte tier auch (noch) nicht in „fotografierentfernung“,  kann ich es auf jeden fall im auge behalten und weiter beobachten. vielleicht bewegt es sich ja auf mich zu oder ich bewege mich zu ihm hin.

man kennt dies fähigkeit des „abscannens“ bestimmter profile auch aus der streetfotografie. trainiere ich meine wahrnehmung z.b. darauf:  schatten, starke kontraste, bestimmte linienführungen, farbkombinationen, spiegelungen etc. zu erkennen, übernimmt diese wahrnehmung nach gewisser übung mein unterbewußtsein.

als ich gestern abend einen abendspaziergang durch den göttinger wald machte und diesen blogbeitrag „im geiste vorformulierte“ wurde meine aufmerksamkeit im dämmerlicht auf eine wiese gelenkt. auf ca. 120 meter konnte ich die feine rückenlinie eines rehes erkennen, die über das fast bauchhohe frische gras knapp hinausragte.

hätte ich früher nicht gesehen!!!

danke maik für die erfahrung: weitblick