„…lass sie einfach spielen…“

moin zusammen,

ich weiss noch genau wie es war als ich ca. 7 jahre alt war. wenn der vater die voigtländer-knipse in den rucksack steckte und den rollfilm einfädelte, stand „familienfoto oder einzelportrait“ auf dem programm. meistens war das fürchterlich!!! vorher gab es noch einmal „einen strich durch die haare“. vater nahm auch gerne sein taschentuch,  feuchtete es mit seiner spucke gut ein, um mir dann die mundwinkel sauber zu putzen (so etwas merken sich kinder). bis dann die 6-köpfige familie „richtig“ stand und das erste foto im kasten war,  gab es auch schon mal tränen. schliesslich musste  jedes der 12 möglichen bilder pro film „sitzen“. „gruselhöhepunkt“ war es oft, wenn der vater auch noch mit auf das foto musste und der selbstauslöser nicht so richtig wollte. da war die sonntagsausflugsstimmung schon mal schnell im eimer. mutter und kinder genervt, vater gestresst, manchmal auch frustriert und danach verärgert… 🙂

diese „traumaerlebnisse“ 🙂 vollziehen sich sicherlich auch heute noch in vielen familien; besonders bei sog. „feierlichen anlässen“… meist sind es die zu starren vorgaben und anweisungen des fotografen nach dem motto: „kinder ihr müsst…“

ich finde, kinder müssen schon mal grundsätzlich gar nicht, allemal wenn es darum geht sie zu fotografieren. im übrigen glaube ich, das kinder kein grosses interesse daran haben fotografiert zu werden. es ist ihnen eher lästig/egal und es nervt sie, für die erwachsenen auf kommando blöd in die linse zu grinsen. das scheint ein ausgeprägtes erwachsenen-eltern-bedürfnis  zu sein, für deren befriedigung die kinder herhalten müssen.  was für ein segen ist da doch die digitale fotografie. sie erlaubt es mir heute bei den fotovorhaben großzügiger zu sein. das digitale bild ist ja im grunde für „umme“. und trotz dieser technischen möglichkeiten habe ich natürlich noch lange kein starkes und aussagefähiges bild auf dem chip.

für mich habe ich für das fotografieren von kindern folgendes herausgefunden:

  1. lass die kinder einfach spielen; idealerweise in ihrer vertauten umgebung (ki-zimmer, spielplatz etc.)
  2. gib so wenig wie möglich vorgaben und anweisungen. am besten gar keine!!!
  3. fang erst an zu knipsen, wenn die kinder im spiel oder in ihrem tun versunken sind
  4. die kinder sollten dich idealerweise gar nicht spüren
  5. DU als fotograf mußt dich bewegen
  6. arbeite viel mit serien, um die kinder in ihrem natürlichen bewegungsfluss „zu erwischen“; starre posen erzeugen „gepresste bilder“ die keinem freude bereiten
  7. überleg dir vorher genau was du willst und wähle die richtige technik aus (z.b. brennweite, aber auch perspektive, lichtverhältnisse etc.)
  8. wenn möglich, gewöhne die protagonisten an deine kamera (meine enkelkinder würden sagen: „opa, bist du krank“, wenn ich ohne knipse käme)
  9. frage dich, was ist „das typische“ an diesem kind und wie kann ich es herausarbeiten

nehm ich die kinder mit in mein studio fremdeln sie natürlich sofort angesichts der „künstlichen umgebung“ wie led-lichtquellen, hintergründe, aufheller etc. es ist gut nachvollziehbar, das kinder das grundsätzlich nicht mögen.

hier gilt besonders:

  1. stell den kindern eine spielerische aufgabe und lass sie möglichst wenig posen…
  2. ein „opa, es reicht“ ist unbedingt zu akzeptieren sonst war es das letzte shooting

nun habe ich das glück, mit zwei „top-models“ arbeiten zu dürfen. meine enkelkinder lassen sich einfach grossartig ein und sind extrem leicht zu fotografieren. das „schwächste glied“ in der kette bin ich, der fotograf, der manchmal mühe hat, den kindern in ihrer geschwindigkeit zu folgen.

hier ein paar bildbeispiele:

auf dem spielpaltz:

im wald:

beim 1000 teile puzzle:

im schwimmbad:

der schneemann:

spaziergang:

im studio:

stolzer opa mit „models“…  🙂